Termine

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22.09.2019 11:00 - 16:00

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28.09.2019

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08.10.2019 - 13.10.2019

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22.10.2019 19:30 - 23:00

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26.10.2019 - 27.10.2019

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29.10.2019 19:00 - 23:00

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07.11.2019 - 09.11.2019

Nov
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09.11.2019 - 10.11.2019

Grüne Berufe hautnah erlebt!

Berufsorientierungsseminar 2019

BOS2019 301

Vom 30.07. bis 01.08.2019 veranstalteten die Landjugendverbände Rheinland-Nassau und RheinhessenPfalz das jährliche Berufsorientierungsseminar für die Grünen Berufe auf der Deula in Bad Kreuznach. Über die drei Tage hinweg konnten sich Jugendliche aus ganz Rheinland-Pfalz über die 14 Grünen Berufe informieren.

Geleitet wurde das Seminar von den BundesjugendreferentInnen Steven Schröder (LJ Rheinland-Nassau) und Elina Leirich (LJ RheinhessenPfalz), die durch zahlreiche Gastreferenten unterstützt wurden.

Los ging es am Dienstag, den 30.07. um 10:00 Uhr. Nach einer Begrüßungsphase stellten Steven Schröder und Elina Leirich das Konzept und Programm des Seminares vor. Anschließend bot Elisa Franz von der Passgenauen Besetzung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz einen unterhaltsamen und informativen Übersichtsvortrag über die Grünen Berufe. Dabei ging sie auf Vor- und Nachteile ein, beschrieb typische Tätigkeiten und geforderte Kompetenzen. Die Passgenaue Besetzung steht grundsätzlich allen Jugendlichen in Rheinland-Pfalz als Ansprechpartner zur Verfügung, berät bei der Berufswahl und unterstützt bei der Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsstellen.

Nach dem Mittagessen stand dann schon der erste Betriebsbesuch auf dem Plan. Gemeinsam ging es in das Forstamt Soonwald. Der dort für die Ausbildung zuständige Ralf Beck demonstrierte gemeinsam mit drei Auszubildenden das Fällen eines Baumes. Es wurde großer Wert darauf gelegt, den Sicherheitsaspekt des Berufes deutlich zu machen.

Beim Beruf des Forstwirten sind Teamgeist und Kommunikation gefragt, um Gefahren für sich selbst, aber auch Wanderer, Spaziergänger, Tier- und Pflanzenwelt zu vermeiden. Sowohl Herr Beck als auch seine Auszubildenden sahen vor allem die gute Jobperspektive nach der Ausbildung und die geregelten Arbeitszeiten als absolute Vorzüge des Berufs. Natürlich sollte man Spaß an der Arbeit im Freien haben und sich bewusst sein, dass bei Wind und Wetter Einsatz gefragt ist.

Im Anschluss fuhr die Gruppe nach Bockenau und besuchte den Milchviehbetrieb Lindenhof von Andreas Essich. Dieser stetig wachsende Betrieb hält zur Zeit ca. 250 Milchkühe und betreibt Ackerbau zur Futtermittelproduktion. Zudem wurde kürzlich eine Biogasanlage als weiteres Standbein errichtet. Andreas Essich ging ausführlich auf die tägliche Arbeit im Betrieb und im Team mit seinen Auszubildenden ein. Er erklärte, dass er bei der Auwahl der Azubis immer darauf achtet, sowohl Tierliebhaber als auch „Technikfreaks“ einzustellen, damit Aufgaben nach Interessen der Jugendlichen verteilt werden können und alle auf ihre Kosten kommen. Er betonte jedoch, dass grundsätzlich jeder alles machen muss und auch er sich für keine Tätigkeit zu schade sein kann. Ein Betrieb dieser Größe sei nur zu managen, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Hierzu sei auch ein besonderes Maß an Engagement aller Mitarbeiter gefragt. Die Arbeit mit Tieren kennt kein Wochenende und keine Feiertage und die Kuh möchte auch an Heiligabend und Silvester gemolken werden. Daher sei eines seiner Hauptkriterien bei der Auswahl von Azubis und Praktikanten die Zahl der Fehltage auf dem Zeugnis, insbesondere natürlich der unentschuldigten. Ein unzuverlässiger Mitarbeiter kann ganze Tagesabläufe durcheinander bringen und das gesamte Team belasten. 

Wieder zurück auf der Deula nahm sich die Gruppe Zeit, sich besser kennenzulernen und mit kleinen Teamaufgaben den Zusammenhalt zu stärken.

Der Mittwoch begann mit einer Theorieeinheit, die sich mit den eigenen Erwartungen der Teilnehmer an ihren späteren Beruf und auch ihren Arbeitgeber befasste. Die Jugendlichen überlegten sich, was ihnen in der täglichen Arbeit wichtig ist. Arbeiten sie lieber draußen oder im Büro, schrauben sie gerne an Maschinen, ist ihnen ein freies Wochenende wichtig, usw. Aus diesen Wünschen und Erwartungen wurden dann mögliche Fragen für die kommenden Gespräche mit Ausbildern und Azubis abgeleitet. Zum Abschluss sollten die Teilnehmer dann noch eine persönliche Aufstellung über alle Lebensunterhaltskosten erarbeiten, um abzuschätzen, welchen Bruttolohn sie letztlich brauchen, um ihren Lebensstil zu finanzieren.

Anschließend standen wieder Betriebsbesichtigungen auf dem Plan. Zunächst ging es nach Ingelheim in das mehrfach ausgezeichnete Weingut der Familie Hamm. Sohn der Familie, Martin Hamm, führte durch das Weingut, die Vinothek, den Keller und auch den Weinberg und erklärte den Prozess von Anbau über Verarbeitung bis zur Vermarktung. Er konnte auch denjenigen, die nicht von einem elterlichen Betrieb kamen, klar zur Ausbildung als Winzer raten. Sowohl in Deutschland als auch im Ausland seien diese sehr gefragt und mit einer guten Ausbildung erschließen sich viele Wege.

Neben dem Winzer wird im Weingut Hamm auch im Bereich Hauswirtschaft ausgebildet. Hier konnte die Familie sogar den Preis „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ der Landjugend und Landwirtschaftskammer einheimsen. Frau Anne Hamm informierte auch über dieses Berufsbild, das leider fast ausschließlich von Mädchen besetzt und von vielen unterschätzt wird. So umfasst die Arbeit einer Hauswirtschafterin im Weingut Hamm neben der Versorgung aller Mitarbeiter mit ausgewogenen Mahlzeiten auch die Pflege des Hauses, des Gartens, das Betreiben der Vinothek, Packen und Versenden von Weinlieferungen, veranstalten von Weinfesten, etc. Hier gilt es, stets den Überblick zu bewahren und sich seinen Tag und seine Woche gut zu planen.

Von Ingelheim aus ging es dann nach Mainz-Finthen zum Obstbaubetrieb Sven Schmitt. Dieser bewirtschaftet ca. 70 Hektar und baut verschiedene Obstsorten wie Pflaumen, Zwetschgen und Aprikosen an, die im eigenen Laden aber auch Supermärkten verkauft werden. Die Teilnehmer waren vor allem von der schieren Masse beeindruckt, die Tag für Tag geerntet wird. So werden täglich mehrere Tonnen Obst geerntet, direkt sortiert und abgepackt. Hierzu ist entsprechende Manpower gefragt und nicht jeder schafft das tägliche Pensum, das nötig ist, um überhaupt wirtschaftlich arbeiten zu können. Sven Schmitt bestätigte, dass Konsumenten heute extrem wählerisch geworden sind und Händler nur absolut perfekte Ware annehmen. Selbst kleine Schäden durch Wetter oder Insekten können hier schon zu großen Ausfällen führen, da die eigentlich einwandfrei genießbare Ware nicht mehr abgesetzt werden kann.

Nach den beiden Betriebsbesuchen ging es als kleine Abwechslung in das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum Bad Sobernheim. Das Museum besteht im Grunde aus mehreren kleinen Dörfern. Hierzu wurden und werden in Rheinland-Pfalz baufällige, aber erhaltenswerte Häuser abgetragen, Stein für Stein nummeriert und komplett auf der Anlage des Museums wieder aufgebaut und in einem restauriert. Der Besucher bekommt so die Möglichkeit, einen Einblick in das Leben der Menschen vor 100+ Jahren zu bekommen. Passend zum Seminar lag der Schwerpunkt auf Landwirtschaft und Weinbau und es wurde schnell klar, dass diese Berufe damals harte Knochenarbeit waren. Moderne Technik hat heute Mensch und Tier entlastet und Produktionsprozesse wesentlich effizienter gemacht. Dennoch war es spannend zu sehen, wie sich Menschen damals mit einfachen Mitteln beholfen haben, wie die Kraft der Natur z.B. in Form von Wasser genutzt wurde, um Mehl zu mahlen und sowohl die eigene Familie als auch die Dorfgemeinschaft zu versorgen.

Zurück auf der Deula gab es noch eine kurze Theorie-Einheit zu Erwartungen von Betrieben an Auszubildende und Mitarbeiter. Hier wurde den jungen Teilnehmern vor allem auch deutlich gemacht, dass die Berufsausbildung für einen Betrieb stets mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden ist und Forderungen nach Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit somit durchaus berechtigt sind. Die Teilnehmer wurden angeleitet, sich selbst mal in die Rolle eines Betriebsbesitzers zu versetzen und nachzudenken, welche Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften sie sich von einem Bewerber wünschen würden.

Abends waren dann junge Praktiker aus verschiedenen Berufen eingeladen, um den interessierten Jugendlichen Rede und Antwort zu stehen. Die Praktiker/innen gingen dabei detailliert auf die positiven Seiten, aber auch die Nachteile ihres jeweiligen Berufes ein. Es wurde sehr deutlich, dass alle mit sehr viel Leidenschaft ihren Beruf ausüben und dass eben diese auch ausschlaggebend ist, ob man in seinem Beruf glücklich bleibt oder nicht. Damit jeder Teilnehmer auch mit jedem Berufsvertreter ins Gespräch kam, wurde ähnlich eines Speed-Datings, jeweils 5 Minuten mit jeder Person gesprochen und dann gewechselt. Im Anschluss durfte jeder aber auch frei zu den Berufsstationen gehen, über die man sich weiter informieren wollte.

Der dritte und letzte Tag begann mit einem KompetenzCheck. Mittels verschiedener Karten werden Schlüsselkompetenzen vorgestellt, die im Beruf, aber auch im Alltag hilfreich sein können. Jeder Teilnehmer sollte für sich bilanzieren, welche Kompetenzen bei ihm bereits gut ausgeprägt sind und an welchen noch gearbeitet werden kann. Anschließend stellte jeder vor der Gruppe seine Kompetenzen vor und erhielt konstruktives Feedback von den anderen und dem pädagogischen Personal der Landjugend.

Anschließend standen die letzten Betriebsbesichtigungen auf dem Plan. Zunächst ging es erneut nach Ingelheim zum Garten- Landschaftsbaubetrieb „Gartenform“. Betriebsinhaber Thomas Georg führte über aktuelle aber auch abgeschlossene Bauprojekte bei Privatkunden, die ihren Garten neu gestalten ließen. Im Beruf des Garten- und Landschaftsbauers ist Kreativität und ein Sinn für Ästhetik gefragt. Viele Kunden haben zwar grobe Vorstellungen, doch für einen wirklich schönen und auch pflegeleichten Garten ist fachkundige Beratung seitens des Gärtners erforderlich. Dabei wird nicht nur mit Pflanzen gearbeitet. Steingärten, Pflaster, Mauern, Teiche, Wasserläufe, etc. können ein Grundstück verschönern und gehören zum Angebot eines Garten- und Landschaftsbauers. Teilweise geht die Arbeit auch in den Bereich des Tiefbaus und umfasst z.B. auch Kanalbau.

Zu guter Letzt ging es zum landwirtschaftlichen Betrieb agrar-Kontor GmbH von Familie Hesselbach. Zunächst führte Frau Hesselbach durch das Verkaufslager und die Maschinenhalle des Betriebs und erläuterte die Aufgabenverteilung im Team. Herr Clemens Hesselbach ging dann auf den Einsatz verschiedener landwirtschaftlicher Maschinen und die damit verbundene Verantwortung ein. Seit dem letzten Besuch bei Familie Hesselbach wurde der Betrieb zudem um eine Aussiedlung erweitert, die ebenfalls besucht wurde. Auf dem Weg konnten aktuell im Einsatz befindliche Maschinen bei der Arbeit bewundert werden.

Zurück auf der Deula führten Steven Schröder und Elina Leirich abschließend Einzelgespräche mit den Eltern. Wartende Eltern konnten in der Zeit gemeinsam mit ihren Kindern die Fotos der letzten drei Tage anschauen und sich von den Teilnehmern das Erlebte berichten lassen. Im Gespräch thematisierten Steven Schröder und Elina Leirich die Berufswünsche der Jugendlichen und ihre jeweilige Eignung. Viele Teilnehmer waren dabei noch sehr jung, so dass von Ihnen noch nicht zu erwarten ist, die volle Ausbildungsreife aufzuweisen. Doch einige zeigten sich im Verlauf des Seminares als sehr aufgeschlossene, interessierte und teamfähige junge Menschen, die für jeden Betrieb nur eine Bereicherung darstellen können. Die Landjugendverbände Rheinland-Nassau und RheinhessenPfalz wünschen allen Teilnehmern alles Gute für ihren beruflichen Werdegang und hofft, den ein oder anderen bei Kompetenztrainings, dem Berufswettbewerb oder natürlich auch als Mitglied der Landjugend wiederzusehen!

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